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Dr. Ertuğrul İnce
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Hautpflege im Winter: ärztliche Empfehlungen

Kälte, Wind und trockene Heizungsluft belasten die Hautbarriere. Wie Sie Ihre Routine in den Wintermonaten sinnvoll vereinfachen.

Dr. Ertuğrul İnce3 Min. Lesezeit
Hautpflege im Winter: ärztliche Empfehlungen

Im Winter höre ich in der Sprechstunde fast immer dieselbe Klage: "Meine Haut spannt, sie schuppt, meine Creme reicht nicht mehr." Die Ursache ist selten ein einzelner Faktor, sondern ein Zusammenspiel mehrerer.

Was sich im Winter verändert

Sinkt die Luftfeuchtigkeit draußen, verdunstet mehr Wasser über die Hautoberfläche. Kommen trockene Heizungsluft, heiße Duschen und Wind hinzu, gerät die Lipidschicht der Hautbarriere unter Druck. Ist die Barriere geschwächt, folgen Juckreiz, Rötung und Schuppung; bei empfindlicher Haut häufen sich in dieser Jahreszeit auch Ekzem- und Rosazeaschübe.

Was die Barriere ist und warum sie zählt

Die äußerste Hautschicht wirkt wie eine Mauer aus Zellen und den Fetten dazwischen. Ihre Aufgabe: Wasser drinnen, Reizstoffe draußen halten. Genau diese Struktur stört der Winter — deshalb ist die Antwort nicht mehr Produkt, sondern das richtige.

Vereinfachen Sie Ihre Routine

Der häufigste Winterfehler besteht darin, Trockenheit mit immer mehr Schichten zu beantworten. Meist ist das Gegenteil nötig.

  • Reinigung wechseln. Statt schäumender Produkte, die die Haut quietschend hinterlassen, cremige, sulfatfreie Reiniger wählen.
  • Lauwarm waschen. Heißes Duschen entfernt Oberflächenlipide rasch; kürzere Duschen helfen ebenfalls.
  • Auf feuchte Haut pflegen. Nach dem Duschen sanft abtupfen und innerhalb von drei Minuten eincremen.
  • Auf Inhaltsstoffe achten. Ceramide, Glycerin, Hyaluronsäure und Squalan unterstützen die Barriere.
  • Aktivstoffe reduzieren. Retinol und Säuren im Winter seltener anwenden — das mindert Irritationen.

Sonnenschutz nicht weglassen

Dieser Schritt wird am häufigsten übersprungen. UV-A durchdringt Wolken und Glas, Schnee reflektiert das Licht und erhöht die Exposition. Ein breitbandiger Sonnenschutz jeden Morgen — auch im Winter — bleibt einer der wirksamsten Schritte gegen Pigmentflecken und Kollagenabbau.

Was in der Praxis möglich ist

Barrierestützende Behandlungen lassen sich im Winter leichter planen, weil die Sonnenexposition geringer ist. Nach der Hautuntersuchung können feuchtigkeitsunterstützende Verfahren bei Bedarf als Serie erwogen werden. Auf gereizter Haut oder während eines Ekzemschubs wird jedoch nicht behandelt — zuerst muss die Barriere heilen.

Wann ärztlicher Rat nötig ist

Wenn Juckreiz den Schlaf stört, Rötung wochenlang bleibt, Risse bluten oder ein Ausschlag auf einfache Pflege nicht anspricht, ist es keine gewöhnliche Wintertrockenheit mehr. Ekzem, Rosazea, Psoriasis und schilddrüsenbedingte Trockenheit gehören dann in die Differenzialdiagnose.

Kleine Details mit Wirkung

Ein Luftbefeuchter im Schlafzimmer, nicht direkt vor der Heizung sitzen, Wolle nicht auf bloßer Haut tragen und ein einfacher Lippenbalsam auf Vaselinebasis machen einen spürbaren Unterschied. Viel trinken allein befeuchtet die Haut nicht, bleibt aber Teil der allgemeinen Gesundheit.

Lippen, Hände und Augenpartie

Diese drei Bereiche leiden im Winter am meisten und verdienen eigene Aufmerksamkeit.

Lippen. Die Lippenhaut ist dünn und besitzt keine Talgdrüsen, sie trocknet daher schnell aus. Befeuchten mit der Zunge lindert kurz, verschlimmert die Trockenheit aber wegen der Enzyme im Speichel. Ein einfaches, parfümfreies Präparat auf Vaselinebasis genügt meist.

Hände. Häufiges Waschen und Desinfektionsmittel belasten im Winter die Barriere. Eincremen nach jedem Waschen und eine reichhaltigere Creme über Nacht beugen Rissen vor.

Augenpartie. Hier ist die Haut am dünnsten. Vermeiden Sie Reiben und tragen Sie Produkte sanft ohne Druck auf.

Winterpflege lässt sich auf drei Punkte bringen: weniger Produkte, bessere Inhaltsstoffe, konsequenter Sonnenschutz. Auf diese Kombination reagiert die Haut meist rasch.

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